Wer Beschuldiger einer Straftat ist, steht regelmäßig vor der Frage, ob er einen Strafverteidiger beauftragen soll oder nicht. Folgender Beitrag soll eine Entscheidung erleichtern:

1. Was ist ein Strafverteidiger?

Ein Strafverteidiger steht ei​n​em Beschuldigten im Strafverfahren oder einem Betroffenen eines Bußgeldverfahrens zur Seite. Jeder Beschuldigte hat einen gesetzlichen Anspruch auf Hinzuziehung eines Verteidigers. Das Recht besteht unabhängig vom Zeitpunkt des Strafverfahrens. Es ist also gleichgültig, ob im Ermittlungsverfahren, Zwischenverfahren oder erst in der Hauptverhandlung die Hinzuziehung eines Verteidigers verlangt wird. Ein Strafverteidiger ist in der Regel ein Rechtsanwalt, der den Beschuldigten im Strafverfahren begleitet.

Die juristischen Vorgaben, nach denen sich ein Strafverfahren richtet, sind für Personen ohne juristische Kenntnisse schwer nachvollziehbar und sehr komplex. Der Verteidiger hat daher die Aufgabe dem Beschuldigten den Ablauf eines Strafverfahrens zu veranschaulichen und dafür Sorge zu tragen, dass die verfahrensrechtlichen Vorgaben im Verfahren eingehalten werden. So achtet der Verteidiger zum Beispiel darauf, dass vom Gericht nur diejenigen Beweismittel herangezogen werden, die nicht einem Verwertungsverbot unterliegen.

Letztendlich versucht der Verteidiger entweder eine Einstellung des Verfahrens (eventuell gegen Auflagen) zu erreichen oder im Falle einer Verurteilung ein Strafmaß zu gewährleisten, das im angemessenen Verhältnis zur Schuld des Beschuldigten steht.

2. Was ist ein Pflichtverteidiger?

Ein Pflichtverteidiger ist ebenso wie ein Strafverteidiger in der Regel Rechtsanwalt. Es gibt keine Unterschiede in der Ausbildung zwischen Pflichtverteidigern und Strafverteidigern. Pflichtverteidiger sind herkömmliche Rechtsanwälte, die zusätzlich neben der sonstigen Arbeit für Pflichtverteidigungen von Gerichten beauftragt werden. Pflichtverteidiger werden vom Gericht immer dann bestellen, wenn der Beschuldigte keinen Wahlverteidiger hat, aber ein Fall der notwendigen Verteidigung gegeben ist. Ein Fall der notwendigen Verteidigung liegt zum Beispiel vor, wenn dem Beschuldigten die Begehung eines Verbrechens vorgeworfen wird. Der Beschuldigte kann dann einen Verteidiger seiner Wahl beauftragen. Macht er von seinem Wahlrecht keinen Gebrauch, wird ihm ein Pflichtverteidiger vom Gericht bestellt.

Bei kleineren Vergehen ist in der Regel kein Strafverteidiger gesetzlich vorgeschrieben. Insbesondere am Amtsgericht finden daher viele Strafprozesse gegen unverteidigte Angeklagte statt.

3. Was sind die Vorteile, wenn ich einen Strafverteidiger beauftrage?

Ein Strafverteidiger hat die juristischen Kenntnisse, um eine zielgerichtete Verteidigungsstrategie gemeinsam mit dem Beschuldigten aufzubauen. Er wägt beispielsweise ab, ob  es sinnvoller ist sich zum Vorwurf zu äußern oder von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch zu machen.

Ein weiterer Vorteil ist, dass der Verteidiger für den Beschuldigten stets überprüft, ob die verfahrensrechtlichen Vorgaben im laufenden Strafverfahren von Staatsanwaltschaft und Gericht eingehalten werden.

Einer der wichtigsten Vorteile eines Strafverteidigers ist die Tatsache, dass dieser die Akten des Beschuldigten bei der Staatsanwaltschaft oder bei Gericht einsehen kann. Der Verteidiger kann so genau überprüfen auf welche Beweise der Tatvorwurf gegen den Beschuldigten gestützt ist. Der Beschuldigte selbst hat hingegen keinen Anspruch auf Akteneinsicht.

Unabhängig vom Tatvorwurf ist daher einem Beschuldigten stets die Beauftragung eines Strafverteidigers anzuraten. Schließlich kann auch die Verurteilung wegen kleineren Vergehen erhebliche Konsequenzen für den Betroffenen haben.

4. Was kostet ein Strafverteidiger?

Die Vergütung eines Strafverteidigers wird nach dem sogenannten Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (kurz: RVG) abgerechnet. Im Strafrecht gibt es Rahmengebühren. Die konkrete Gebühr innerhalb des Rahmens wird von Verteidiger festgesetzt unter Berücksichtigung des Umfangs und der Schwierigkeit der anwaltlichen Tätigkeit, der Bedeutung der Angelegenheit sowie der Einkommens- und Vermögensverhältnisse des Auftraggebers nach billigem Ermessen. So können sich die anwaltlichen Kosten bei einem kleineren Strafverfahren bei Beauftragung im Ermittlungsverfahren mit Hauptverfahren und einem Gerichtstermin auf etwa 1.000 € belaufen.

Im Rahmen einer Vergütungsvereinbarung kann sich der Verteidiger auch eine höhere als die gesetzliche Vergütung versprechen lassen, insbesondere ein Zeithonorar oder Pauschalhonorar vereinbaren. Hierfür ist eine schriftliche Vereinbarung erforderlich. Diese Vereinbarungen übersteigen die gesetzliche Gebühr in der Regel um ein Vielfaches. Der Beschuldigte sollte sich daher stets überlegen, ob er eine vom Verteidiger vorgeschlagene Vereinbarung eingeht.

Mittlerweile gibt es auch kostengünstige Internetanbieter, wie zum Beispiel onlinestrafverteidiger.de, die ihre Arbeitsabläufe durch den Einsatz moderner Technik optimieren können und daher eine vergleichsweise günstige Verteidigung anbieten können.